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Ein Konkurrent von Sharely macht zu. Und jetzt?

Von Andreas Amstutz am 05. MÃrz 2015
Sharely.ch ist ja nicht die einzige Plattform zum Teilen von Gütern, vor allem im Ausland gibt es natürlich ähnliche Anbieter. Einer davon ist WHYownit aus Deutschland, welcher aber vor ein paar Tagen bekannt gab, dass er den Service einstellen wird.

WHYown.it hatte eine andere Überzeugung als Sharely. Sie waren der Meinung, dass man nicht unter Fremden teilt, sondern nur unter Freunden. Ihre App wurde dann zwar runtergeladen, aber die Nutzer fanden keine / kaum Objekte (da keine / wenige Freunde die App ebenfalls nutzten). Wir gingen von Anfang an einen anderen Weg, waren überzeugt, dass Sharely eben genau den “dritten Kreis” bilden kann (neben dem Leihen von Familie und Freunden). Erst dieses neue Angebot (Mieten von Fremden) macht Sharely attraktiv, denn bei meinen Freunden weiss ich ja meistens schon, was sie besitzen und was nicht.

WHYownit hatte auch mit dem Problem zu kämpfen, dass viele leihen, aber nur sehr wenige verleihen wollten. In den Kommentaren zu ihrem Blogpost wird dabei klar, dass die fehlende Verdienstmöglichkeit ausschlaggebend war, so schreibt einer: “Ich wäre durchaus bereit, meine Bohrmaschine, meine Skiausrüstung, meine GoPro etc. zu verleihen, wenn ich dafür etwas Geld bekommen würde. Das Zeug liegt ja die meiste Zeit unbenutzt herum, warum also nicht gegen Geld verleihen?” Wir stellen bei Sharely immer wieder fest, dass für die Vermieter das Geldverdienen nicht so zentral ist, sondern an die Idee und das grosse Ganze geglaubt wird - und dennoch: ganz gratis wollen es die wenigsten abgeben, so nutzen bei Sharely nur sehr wenige die Möglichkeit, die Objekte gratis zu vermieten. Es gab sogar schon mehrere Vermieter welche über 200.- CHF verdient haben, es müssen also nicht nur immer kleinere Beträge sein.
Ein Kommentator erwähnt einen weiteren interessanten Punkt: Ihn störte bei WHYownit die “Peinlichkeit zu fragen”, denn ein Freund könne die Anfrage ja kaum ablehnen. Psychologisch ist diese Frage spannend, es gibt natürlich eine “Reprizotität des Handelns”. Bei Sharely macht der Vermieter ein klares Angebot, sagt, was er pro Tag für sein Objekt haben möchte. Erstellt der Mieter eine Mietanfrage, dann ist die Sache klar, ein einfacher Deal. Es braucht also im Gegensatz zu WHYownit nicht noch eine “Verhandlung” über die Gegenleistung. Das machte es einfacher.
Der Gründer von WHYownit meint schliesslich, dass es eben nicht die Sharing Economy sei, welche sich durchsetzen werde, sondern die “rental economy”. Die Begrifflichkeit “Sharing Economy” haben wir noch nie mit absoluter Selbstlosigkeit gleichgestellt, für uns war es immer klar und auch logisch, dass jemand, der etwas einer fremden Person anbietet, dafür auch etwas bekommen soll, sei es auch nur dafür, das Objekte zu amortisieren. Airbnb’s Erfolg rührt ja hauptsächlich darin, dass sie eben für die Vermieter eine Verdienstmöglichkeit geschaffen haben - das ist natürlich weniger sympathisch, als wenn das ganze gratis oder gegen ein Nachtessen angeboten würde (also “couchsurfing”), aber letztlich hat es diesen Markt dadurch erst geschaffen bzw. so gross gemacht.
Was heisst das nun für Sharely? Gewisse Probleme kennen wir natürlich auch, wir haben mehr Mühe, Vermieter zu finden als Mieter. Dennoch sind wir überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein, das zeigen unsere ständig steigenden Nutzer-, Objekt- und Vermietungszahlen. Und doch funktioniert auch bei uns nicht alles. Von den “Suchanfragen” haben wir uns mehr erhofft. Findet jemand das gewünschte Objekt auf Sharely nicht oder ist es zu weit entfernt, kann eine “Suchanfrage” erstellt werden. Wir wissen nicht genau, wieso sich für diese Anfragen kaum Objekte finden lassen. Hier müssen wir noch stärker auf euch, unsere Nutzer, hören. Wenn ihr uns hier Verbesserungsvorschläge habt, nehmen wir diese gerne auf!
Letztlich sind die allermeisten Sharing-Modelle zweiseitige Märkte, in denen neben der Nachfrage eben auch das Angebot (Objekte) von den Nutzern selbst geschaffen werden muss. Das ist eine grosse Herausforderung. Eine interessierte Person muss wahrscheinlich 5x von Sharely gehört haben, bevor sie Sharely.ch auch tatsächlich besucht. Das ist das Los junger Start-ups. Aber wir haben gelernt, dass Vertrauen wichtig ist (wir arbeiten an einer Versicherungslösung), eine einfache Bedienung unumgänglich ist (da sind wir wohl schon ziemlich gut) und die Nutzer etwas erhalten müssen, wenn sie etwas vermieten. Das ist letztlich wohl der grösste Unterschied zu WHYownit.
2 Kommentare zu "Ein Konkurrent von Sharely macht zu. Und jetzt?"
  • Von Andreas Amstutz am 06.MÃrz 2015

    Und hier ist übrigens noch der Link zum Originalblogpost: http://whyownit.com/blog/we-failed-warum-die-verleih-app-why-own-it-nicht-funktioniert-hat LG Andreas

  • Von Gloeckler am 06.MÃrz 2015

    Moin Andreas, Moin Sharely Team, freut mich, dass ihr meinen Blog Post aufgegriffen habt. Viel Erfolg Philipp

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