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Genug Zeug - wir haben den “peak stuff” erreicht

Von Andreas Amstutz am 25. Juli 2016
Nach dem 3. Fernseher, dem 2. Auto, dem 4. Tablet und der 2. Drohne kommt die Erkenntnis, dass wir langsam genug “Zeug” haben. Experten sprechen bereits vom “peak stuff” - mit einer Zukunft, welche für Konsumenten und den Handel grosse Veränderungen mit sich bringt.

Den Begriff hat Steve Howard, der Nachhaltigkeitsbeauftragte von IKEA berühmt gemacht: Er meint, dass wir - zumindest in den westlichen Staaten - das Maximum des Konsums von Gütern erreicht haben und zukünftig weniger “Zeug” kaufen. Wir haben also (analog des “peak oil” beim Ölverbrauch) den “peak stuff” erreicht - und damit auch den “peak home furnishings” und den “peak curtains”.

Unterlegt werden kann dieser Trend auch mit Zahlen. In Grossbritannien zum Beispiel hat der Verbrauch von Rohmaterialien (z.B. Öl oder Holz) zwischen 2001 und 2013 um ein Drittel abgenommen. Wie kommt es dazu? Es wird tatsächlich weniger konsumiert, hinzu kommt aber auch, dass durch die Digitalisierung eine Verlagerung vom Produkt hin zur Dienstleistung stattfindet.

Bereits reagieren erste Firmen darauf. Patagonia hat schon vor längerem mit der Kampagne “Kauf diese Jacke nicht” für Aufsehen gesorgt. Mit dem Hinweis auf den Ressourcenverbrauch und die Recycling-Möglichkeiten der Firma will man den neuen Kundenbedürfnissen gerecht werden. Grundsätzlich gilt: Für Firmen wird es schwieriger, Objekte zu verkaufen. Das klassische “besser, glücklicher, einfacher”-Versprechen funktioniert nicht mehr, wenn alle schon alles haben. Die Frage ist: Wie kann man Kunden gewinnen, die nichts mehr brauchen?

Die Lösung liegt darin, das Angebot anzupassen. Recycling wird wichtiger, Reparatur-Dienstleistungen sind auszubauen und auch gute Qualität wird mehr nachgefragt werden. Der Wandel eröffnet also auch Chancen! Patagonia meint dazu: “Wenn sie doch etwas brauchen, so empfehlen wir ihnen, langlebige Produkte zu kaufen, Schäden zu reparieren und was nicht mehr genutzt wird weiterzugeben oder zu verkaufen. Und erst was gar nicht mehr brauchbar ist zu recyceln.”

Dies von einem klassichen “Verkäufer” zu hören, ist ungewohnt. Der “Shift” zu einem tieferen Ressourcenverbrauch und zu Objekten mit besserer Qualität, wird von Sharely gewünscht und gefördert. “Peak stuff” bedeutet nämlich auch, die (vielen) vorhandenen Güter zu teilen und weniger zu kaufen, was mehrfach in der Nachbarschaft mietbar ist.

Ist das der Start der “circular economy”, der Kreislaufwirtschaft? Aus ökologischer Sicht ist es sicherlich zu begrüssen. Für uns alle ist es eine Chance, mit den vorhandenen Objekten mehr zu erleben, indem wir teilen, reparieren, gute Qualität kaufen - und uns nicht mit billigem Kram herumschlagen müssen. Wie ist es bei dir? Kaufst du (noch) gleich viel wie vor 5 oder 10 Jahren?

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