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Warum wird Aufräumen zum Trend?

Von Andreas Amstutz am 28. September 2015
Wer hätte das gedacht: Ein Ratgeber zum Thema Aufräumen stürmt die Bestseller-Listen weltweit. Marie Kondo scheint mit “Magic Cleaning. Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert.” den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Ist nach dem Kaufen vor dem Aufräumen?

Kondo hat das Aufräumen mit einfachen Regeln revolutioniert, beispielsweise indem sie nicht zimmerweise, sondern nach Kategorien aufräumt. Bei jedem Gegenstand wird gefragt: “Macht es mich glücklich?”. Ist die Antwort Nein, kommt er weg.

Aufräumen scheint also ein grosses Bedürfnis zu sein. Implizit ist es auch ein Ausdruck von “zuviel”, zu viele Gegenstände, zuviel Unbrauchbares, zuviel, was das Leben mühsam macht. Die Verfechter des sog. “light asset lifestyle”, also einem Leben mit wenig physischen Gegenständen, betonten schon immer, dass äussere Einfachheit auch zu innerer Ordnung führt - letztlich also zu mehr Zufriedenheit.

Das zeigen auch die Kunden-Rezensionen auf Amazon:

Ideal ist das Buch für alle "Nicht-loslassen-Könner", die unter einem echten Leidensdruck stehen und den Eindruck haben, unter den vielen Dingen in ihrem Leben zu ersticken. Das müssen keine Messies sein, sondern es gibt auch Menschen mit gut aufgeräumten Wohnungen, die darunter leiden, dass zu viele Dinge in ihrem Leben sind.

Und:

Was soll ich sagen... 15 grosse Umzugskartons haben den Weg aus meiner Wohnung gefunden zu einem Flohmarktler, der sich ein Loch in den Bauch über die Sachen gefreut hat!!! Ich habe 2 !!! Kleidersammlungskontainer vollgemacht und war insgesamt 7 !!! Mal im Wertstoffhof beim Entsorgen!!! Nein ich habe kein Haus, ich habe eine 75 qm 3-Zimmerwohnung mit einem 1,50 auf 1,50 Keller!!

Das klingt nach Begeisterung! Aufräumen scheint aber nur ein Schritt zu sein, sinnvoller wäre es, sich schon beim Kauf von neuen Dingen folgende fünf Fragen zu stellen:

  1. Will und brauche ich den Gegenstand wirklich?

  2. Wie häufig werde ich den Gegenstand nutzen?

  3. Wie viel Platz benötigt der Gegenstand und wo in der Wohnung wird er stehen?

  4. Gibt es nicht die Möglichkeit, den Gegenstand von jemandem auszuleihen oder auf Sharely zu mieten?

  5. Wie lange werde ich den Gegenstand nutzen können?

Fakt ist, dass jede Schweizerin und jeder Schweizer pro Jahr über 700kg Abfall produziert - ein internationaler Spitzenwert. Handlungsbedarf ist also vorhanden. Nicht nur aufräumen will gelernt sein, sondern auch das zu kaufen, was einem auch wirklich gut tut!

Welche Tipps habt ihr, welche euch geholfen haben, mehr Ordnung zu haben?

 

2 Kommentare zu "Warum wird Aufräumen zum Trend?"
  • Von Maggy Ritz am 30.September 2015

    Die aktuelle Situation zeigt es überdeutlich. Nur wer viel hat kann viel verlieren. Deshalb wollen viele keine Flüchtlinge reinlassen. In Gegenden mit wirklich armen Leuten wirst du an den Tisch gebeten, wenn du nur nach dem Weg fragen willst. Warum nun Aufräumen zum Trend wird ist mir schleierhaft. Vielleicht ist unsere Gesellschaft vom Wohlstandsrausch gesättigt und wünscht sich wohltuende Klarheit.

  • Von Paula Albert am 26.Dezember 2015

    Wer meint, Alles, aber auch wirklich Alles ausmisten zu müssen, bringt sich oft selbst um wertvolle Vermögensgegenstände - die Brockenhäuser reiben sich vergnügt die Hände.

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