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Verhindert jede gemietete Bohrmaschine den Kauf einer Bohrmaschine?

Von Andreas Amstutz am 12. September 2016
Ist es wirklich so, dass jedes gemietete Objekt auf Sharely dazu führt, dass ein Geschäft ein Objekt weniger verkauft? Wir schauen uns das in diesem Beitrag mal genauer an.

Sharely ist eine Miet- und Vermietplattform und damit verbunden ist die Idee, dass unsere Nutzer eher ein Objekt mieten anstatt kaufen - vor allem natürlich, wenn es nicht regelmässig benötigt wird. Aber nicht in jedem Fall hätte ein Sharely-Mieter das Objekt auch tatsächlich gekauft, gäbe es Sharely nicht. Hier sind die drei häufigsten Fälle:

Fall 1: Mieten anstatt kaufen

Dies ist der “klassische” Fall: Ein Nutzer mietet eine Bohrmaschine auf Sharely - und muss sich dadurch keine kaufen, wodurch er Geld spart. Nachhaltig ist dies, weil so 1 Bohrmaschine weniger produziert werden muss und dadurch der Ressourcenverbrauch gesenkt werden kann. Entscheidend ist natürlich, dass Mieter und Vermieter nicht weit weg voneinander wohnen und die Abholung zu Fuss oder per Velo stattfindet. Für uns ist der lokale Ansatz wichtig, unsere Vision ist, dass alles in unmittelbarer Nachbarschaft gefunden wird. Bei vielen Objekten fällt die grösste Umweltbelastung nicht in der Nutzungsphase an, sondern bei der Produktion. Insofern macht das Teilen von Gegenständen in den allermeisten Fällen aus ökologischer Sicht Sinn.

Fazit: Hier wird tatsächlich 1 Bohrmaschine weniger verkauft - aber Verbrauchsmaterial (z.B. Dübel) wird weiterhin benötigt. Ökologisch ist es, falls der Mieter das Objekt zu Fuss oder per Velo abholt.

Fall 2: Testen vor dem (allfälligen) Kauf

Wir stellen fest, dass einige Mieten zum Testen eines bestimmten Gegenstands dienen. Das heisst: man will einen Gegenstand zuerst persönlich testen und dann entscheiden, ob man ihn kauft. Sharely.ch eignet sich gut dafür, denn in vielen Geschäften kann man die Objekte zwar anschauen und in die Hand nehmen, aber nicht wirklich testen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung: eine gemietete Brotbackmaschine hat uns gezeigt, dass wir eine solche nie kaufen werden. Sie war ok, aber wir hätten sie vermutlich nur wenige Male benötigt. So konnten wir verhindern, dass diese Maschine dann ungebraucht in unserem Haushalt steht. Damit kann Sharely zu besseren Kaufentscheidungen führen - auch weil die Mieter von den Vermietern häufig noch Instruktionen und Tipps bekommen.

Fazit: Hier erhöht Sharely die Effizienz bei den Kaufentscheidungen, es wird weniger Unpassendes gekauft. Ob nun insgesamt mehr oder wenig verkauft wird, ist schwierig zu sagen. Einerseits kann jemand von einem Kauf abgehalten werden, andererseits ist auch das Gegenteil möglich, nämlich dass das Testen so positiv war, dass man sich das Objekt auch selbst kauft.

Fall 3: Dinge mieten, die man nie kaufen würde

Beim letzten Fall geht es darum, dass man auf Sharely Objekte mietet, welche man, müsste man sie kaufen, nicht nutzen würde. Das heisst: weil sie auf Sharely so günstig auf Tagesbasis mietbar sind, nutzt man sie überhaupt erst. Das ist eigentlich ein demokratisches Element auf Sharely. So kann man Dinge nutzen, z. B. eine Drohne, für deren Kauf man kein Geld hat oder kein Geld ausgeben möchte. Oder ganz einfach, weil man es zwar gerne nutzen würde, eine Anschaffung aber überflüssig findet.

Hier kommt der “Rebound-Effekt” ins Spiel. Weil ein Objekt günstiger nutzbar ist, wird es auch häufiger gebraucht. Sharing führt hier also zu insgesamt mehr Aktivität, zu mehr Kochabenden mit gemietetem Tischgrill, zu mehr Wochenendausflügen mit gemietetem Trekking-Rucksack, zu mehr Tätigkeiten im Garten mit gemietetem Laubsauger. Je nach Aktivität kann dadurch die ökologische Belastung steigen.

Fazit: Hier bleiben die Verkaufszahlen stabil, da sich in diesem Fall die Personen sowieso keinen Kauf leisten wollen oder können. Aus ökologischer Sicht kann es zu einem Mehrverbrauch führen - aber: es zählt ja nicht nur die ökologische Sichtweise. Kommt man günstig zu einem Schlitten für 1 Tag und erlebt damit einen tollen Familientag, ist das ein Stück Lebensqualität.

Es zeigt sich, dass letztlich viele Faktoren einen Kauf- oder Mietprozess bestimmen. Wir gehen davon aus, dass unter dem Strich weniger Dinge gekauft werden müssen und dadurch die ökologische Belastung sinkt, dies im Wissen, dass das Abholen und die Nutzung auch einen Einfluss haben. Nicht vergessen darf man aber, dass das Teilen von Gegenständen auch die Lebensqualität steigert. In diesem Sinne: Happy sharing!

1 Kommentar zu "Verhindert jede gemietete Bohrmaschine den Kauf einer Bohrmaschine?"
  • Von Michael Breitfeld am 16.Mai 2019

    Der Artikel trifft genau die Punkte, die ich auch sehe. Wobei tendenziell (also in der Summe) sicherlich weniger Käufe stattfinden. Und genau das ist gut so, denn Wirtschaftswachstum ist nicht alles, zumindest nicht in einer Welt, in der man Gegenstände auch teilen kann! Weniger überflüssige Produktion hilft der Umwelt und verhindert folgerichtig auch "überflüssige" Arbeit bei der Herstellung. Im Unternehmen würde man sagen: ein hoher Auslastungsgrad der eigenen Anlagen (z.B. des Klassikers Bohrmaschine im Privatbereich) ist erstrebenswert.

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