Blog

Zugestellt: Wie wir in unserem Leben Dinge anhäufen, die wir nicht brauchen

Von Andreas Amstutz am 08. MÃrz 2016
Unser Konsum braucht Platz. Stagnierende Wohnfläche und immer mehr Objekte führen dazu, dass das Mieten externer Lagerfläche boomt. Eine sinnvolle Entwicklung?

Wir leben heute im Überfluss. Statistisch gesehen besitzt jeder europäische Haushalt heutzutage circa 10.000 Objekte. In den USA sind es sogar dreimal so viele. Irgendwo müssen wir diese zahllosen Gegenstände unterbringen und brauchen entsprechend immer mehr Platz.

  • Hinsichtlich Neubauten zeigt sich seit der Nachkriegszeit ein geringer, aber stetiger Aufwärtstrend zu mehr Wohnfläche pro Person. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Bewohner in Neubauten liegt heute bei 50m² und damit 9m² höher als noch 1946.

  • Bezogen auf den Gesamtbestand aller Wohnungen jeglicher Baujahre stieg die durchschnittliche Wohnfläche pro Person in der Schweiz zwischen 1980 und 2000 mit 10m² pro Person am stärksten. Seitdem ist sie jedoch nur um durchschnittlich 1m² auf nun 45m² Wohnfläche pro Person gestiegen.

Grafik: Wohnfläche (netto) pro Person sowie Personen pro Wohnung in Zürich (Quelle)

  • Insbesondere in den grösseren Städten wie Genf, Bern und Lausanne liegt die durchschnittliche Wohnfläche bei nur 37-41m² pro Person. In mittelgrossen Städten in den Kantonen Genf und Waadt sogar bei nur 32-35m². In Zürich stagniert die Wohnfläche bereits seit 1990 und stieg seitdem nur um 1m² auf nun 41m².

 

Grafik: Wohnfläche pro Person in m2 (Quelle)

Kein Wunder also, dass die meisten Menschen das Gefühl haben, dass ihre Wohnung aus allen Nähten platzt.

Eine einfache, aber auf Dauer kostspielige Lösung für dieses Problem wird uns von “Self Storage”-Anbietern geboten. Insbesondere in den USA ist die Zahl der Anbieter von externen Lagerräumen in den letzten 20 Jahren rapide angestiegen. Seit 1996 hat sich die Zahl verdoppelt und statistisch gesehen stehen mittlerweile jedem US-Einwohner 0,8m² Lagerraum zur Verfügung. 2013 nutzten knapp 9% der Bevölkerung diese Möglichkeit der externen Lagerung. Interessanterweise geben sogar viele selbst zu, dass sie dort Dinge lagern, die sie nicht mehr brauchen oder haben wollen (Lesetipp!). Gleichzeitig sehen sie es aber als Verschwendung an, sie zu entsorgen. Schliesslich hat man einmal viel Geld für diese Dinge bezahlt. Und so zahlt man lieber weiter für die Aufbewahrung dieser ungenutzten Dinge, anstatt sich von ihnen zu trennen.

Dabei das kann ganz schön teuer werden. Eine mittelgrosse Lagerbox von 10m3 kostet in Zürich pro Monat circa 180 Franken. Selbst mit einem Rabatt bei 12-monatiger Lagerung kostet einen die Lagerung im Jahr über 1800 Franken! Es müssten also schon sehr wertvolle Dinge sein, die man dort lagert, um derartige Kosten zu rechtfertigen. In der Realität sieht es jedoch häufig anders aus und die überflüssigen Gegenstände wie alte Möbel, Spielzeug, der Grill und das Schlauchboot werden im Moment der Einlagerung noch überflüssiger, da man sie nun noch weniger nutzt als vorher. Der Aufwand sie aus dem Lager zu holen ist meist zu gross und man lässt es dann lieber einfach sein.

Objekte lagern kostet (Quelle)

Interessant ist, dass nun auch die Lagerflächen-Branche von der Sharing Economy erfasst wird: Für Dinge, von denen man sich vielleicht aus emotionalen Gründen nicht trennen möchte oder die man nur kurzzeitig einlagern will, weil man zum Beispiel eine Weile ins Ausland geht und die Wohnung untervermietet, bieten mittlerweile Firmen wie Shelfsailor den Kontakt zu Privatpersonen mit freien Lagerflächen an.

Diese sind häufig günstiger, flexibler und haben hinsichtlich der Sicherheit den Vorteil, dass in der Regel jemand im gleichen Gebäude wohnt.

Eine Frage stellt sich aber schon: Braucht man wirklich so viele Gegenstände? Letztlich ist es am Ende auch Ballast, um den man sich kümmern muss und der einen unnötig Geld kostet.

Das haben mittlerweile auch viele erkannt und es deutet sich mit der Minimalmus-Bewegung ein Gegentrend zum schnellen Konsum an. In zahllosen Blogs wie becomingminimalist.com wird zum Nachdenken angeregt und zu einer simpleren Lebensweise aufgerufen.  Es wird Hilfe angeboten, um zu lernen sich von alten Dingen zu trennen, bewusster einzukaufen und sich mehr auf die unkäuflichen Qualitäten im Leben, wie Freundschaften oder Zeit mit der Familie zu konzentrieren. Es macht das Leben einfacher, ist befreiend für die Psyche und man spart dazu auch noch Geld. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

1 Kommentar zu "Zugestellt: Wie wir in unserem Leben Dinge anhäufen, die wir nicht brauchen"
  • Von Thomas Schulze am 28.Dezember 2016

    ja, wenn es denn nur so einfach wäre, den Ballast abzuwerfen!

Kommentar schreiben